Interview aus dem Jahr 2017
Kurz nach der Wahl von Trump als US-Präsident führten wir mit Volkmar Schultz und Hartwig Prüßmann vom Freundeskreis Köln-Indianapolis ein Interview…
Würden sie ihren Verein einmal kurz vorstellen??
Schultz: Der Freundeskreis Köln-Indianapolis ist gegründet worden aus Anlass der Gründung der Städtepartnerschaft im Jahr 1988. Dieser Verein sollte die Beziehung zw. Den beiden Städten, die weit voneinander entfernt liegen stärken und fördern und am Leben halten.
Was für Aktivitäten bieten sie an??
Schultz: Wir bieten Aktivitäten nicht für das Laufpublikum an. Wir entwickeln Programme die der Zusammenarbeit die beiden Städte dient. Beispiel Nr.1:Wir haben einen Austausch von Feuerwehrleuten. Einmal kommt ein professioneller Feuerwehrmann aus Indianapolis hier herüber und einmal im Jahr geht auch einer von uns rüber. Da haben sich im Laufe der 10-15 Jahre seitdem wir das machen Freundschaften gebildet.Nr.2:Wir haben in den letzten Jahren einen Stadtbibliotheken-Austausch, da Lesen verbindet.Köln und Indianapolis haben jeweils eine sehr schöne und große Stadtbibliothek.Wir haben ja auch Literaten die sich früher auch gekannt haben. Zu den bekanntesten Kölnern zählt sicherlich Heinrich Böll und dieser war zu seiner Zeit Mitglied des PEN-Club und hat bei der Gelegenheit einen amerik. Schriftsteller aus Indianapolis getroffen, der hieß Kurt Wonnegut. Beide sind inzwischen tot. Beide haben aber früher jeweils richtungsweisende Bücher für ihre jeweiligen Länder geschrieben und Wonnegut hat als Amerikaner ein bedeutendes Buch geschrieben, dass sich mit dem Bombenangriff auf Dresden im Jahr 1945 beschäftigt. Dieses Buch heißt „Schlachthof 5“ oder „Der Kinderkreuzzug“. Über den Titel muss man mal nachdenken. Wir haben Lesungen gemacht, hier und in Indianapolis, wo aus den Büchern dieser beiden Schriftstellern vorgelesen wurde. Wir tauschen auch Bibliothekare aus, d.h 3 Wochen lang kommt ein/e Bibliothekar/in zu uns und auch umgekehrt. Daraus ist dann eine ganz enge Verbindung entstanden, in dem Sinne nämlich, dass eine Bibliothekarin aus Indianapolis, welche hier zu einem 3-wöchigen Besuch war, ist zurückgeflogen in die USA und ihr hat es so gut gefallen, dass sie sich paar Jahre später auf eine Stelle bei der Kölner Stadtbibliothek beworben hat und die ist heute Leiterin der 2. Stelle in Sülz. Zudem ist sie in unserem Vorstand. Prüßmann: Indiana hat eine der besten Jazz-Ausbildungsstätten in den USA, so haben wir auch einen Jazz-Austausch mit der Jazz-Hochschule hier in Köln. Und im Juni kommen die Jazzmusiker aus Indianapolis hierher.Schultz: Von uns waren schon junge Jazz-Gruppen drüben in Indiana.Prüßmann: Ich habe die begleitet und wir waren 9 Tage da.Schultz: Dort haben unsere dann auch Konzerte gegeben.Prüßmann: Und wir haben die schönsten Fragen gestellt bekommen:Cologne ist das nicht ein Parfüm??Wie ihr habt auch Jazz in Deutschland??Schultz: Die haben toll gespielt und anschließend ist auch eine Gruppe von denen rübergekommen und wir haben im letzten Jahr 2 große Konzerte gemacht. Da waren 300-400 Zuschauer. Die Musiker haben dann auch erklärt was Jazz ist und eine ältere Dame saß neben uns und die sagte irgendwann, dass sie erst jetzt versteht was es mit dem Jazz auf Sich hat, weil die Moderatorin und Pianistin, eine Deutsche Professorin in Indianapolis lebt, die hat erklärt, dass Jazz wie eine Pizza ist:Erst macht man den großen Teig, die Grundmelodie und dann packt jeder das drauf was ihm schmeckt, die einzelnen Instrumente. Das ist ,wie ich finde, ein tolles Erlebnis ,wenn eine 82-jährige Frau versteht was Jazz ist und allein deswegen hat sich der Abend schon gelohnt.Die Aktionen von uns sind meistens mit nicht si vielen Menschen verbunden. Weil das hin und herfahren ist sehr teuer. Dieses Jahr mach wir seit langem mal wieder einen Schulaustausch. Die Gesamtschule in Nippes schließt nämlich einen Schulpartnerschaft mit einer High-School ab. Prüßmann: Zudem nehmen wir amerik. Feste wie Thanksgiving hier auf und auch dieses Jahr gab es hier eine Feier mit einem großen Truthahn.Schultz: Wenn Privatpersonen hier hin kommen unternehmen wir auch mit denen was.Drüben gibt es ja auch einen Verein, welcher auch probiert die Partnerschaft zu erhalten.Ab und zu kommen auch 10-12 Leute nach Köln, und wir machten ein Programm mit denen. Und auch umgekehrt .Da letzte mal vor 8-9 Jahren.Prüßmann: Auf YouTube gibt es einen Film dazu.
Wie viele Mitglieder hat ihr Verein??
Schultz: ca. 40. Wir wären lieber mehr haben, aber die meisten haben kein großes Interesse an dieser Städtepartnerschaft. Viele Leute frage schon mal an, weil sie glauben dass sie umsonst nach Amerika reisen können, dies ist aber nicht so. Wir sind nur ein kleiner Verein ohne reiche Sponsoren.
Wie kam es zur Gründung des Vereins??
Schultz:1988 wurden 2 Partnerschaften geschlossen, eine mit Wolgograd n Russland und die mir Indianapolis. Der damalige Oberbürgermeister Norbert Burger war sozusagen der Vater dieser Partnerschaft. Das war bevor die Mauer fiel , auf dem Höhepunkt des kalten Krieges. Da wollte Burger einen Beitrag leisten, dazu das auf kommunaler Ebene Freundschaft entwickelt wir d zw. Amerika und Russland. So kam es hier im Rathaus zu einer bemerkenswerten Szene. Das um Burger der amerikanische Bürgermeister von Indianapolis und der russische von Wolgograd saßen. Dann mussten die beiden sich nach dem Urkundenunterschreiben auch die Hand geben, das war fast so schwierig wie Merkel und Trump. Alles Ungewohnt. Die betrachteten sich wie feinde. Burger war zeit seines leben davon überzeugt mit der kommunaler Politik Friedens- und Freundschaftspolitik zu betreiben.Es gibt ja auch eine Partnerschaft mit Tel Aviv du mit Bethlehem in Palästina. Mit Städtepartnerschaften wird versucht mit kleinen bescheidenen Mittel, die die Kommune zulassen zu helfen und zu vermitteln, verbinde. Das ist Friedenspolitik.
Wie waren die Reaktionen der Bevölkerung, dass man einerseits mit einer russ. Stadt und anderseits mit einer amerik. Stadt eine Partnerschaft abschließt??
Schultz:Es hat Aufmerksamkeiten auch in Zeitungen gegeben. Die Kölner haben das gerne gesehen, die Kölner pflegen gerne Frieden. In Indianapolis, haben die meisten das glaube ich gar nicht mitbekommen. Aber die in Indianapolis die dt. Abstammung sind, davon gibt es viele, z.B Wonnegut, dessen Urgroßvater aus Münster kam. Damals sind viele Deutsche in die USA ausgewandert. Sie waren Pioniere, Landwirte und mehreres.
Wie hat sich das Verhältnis zwischen Indianapolis und Köln verändert??
Schultz:Das ist eigentl. Immer lebendig gewesen, dank unserem Einsatz. Indianapolis ist eine aufstrebende Stadt, welche in den letzten 30 Jahren modern geworden ist. Es ist eine Sportstadt geworden und Sport spielt im amerik. Leben eine große Rolle. Es gibt dort auch einen Fußballverein, dieser ist aber nicht besonders gut. Im letzten Jahr waren wir mit dem Präsidenten vom 1 FC Köln bei einem Spiel. Wir dachten, da könnte eine Freundschaft draus werden. Aber da ist nichts draus geworden, da die Unterschiede zu groß sind.Herr Spinner (Präsident vom FC Köln) meinte während einem Spiel, dass man das Fußball nennen könnte. Indianapolis hat aber eine große Football und Basketballmannschaft.
In wie weit unterstützt die Stadt die Partnerschaft??
Schultz:Die Stadt unterstützt die Partnerschaft in Rahmen ihrer Möglichkeiten. Die stadt hat ja 23 Partnerstädte, da leibt für die einzelnen ich viel übrig. Wenn wir für sinnvolle Aktionen einen Antrag stellen, z. B. für reisen, dann bekommen wir auch Zuschüsse in kleine Mengen. Der erst wird aus Mitglieder und pers. Beiträgen bezahlt. Wir sind dankbar für jede Unterstützung.Prüßmann: wir sind ja wie Botschafter!!
Wie sehr interessieren sie sich für das was in den USA politisch passiert??
Schultz: Ich bin seit über 60 Jahren mit Amerika verbunden und viele Präsidenten erlebt. Ich bin entsetzt über das was bei der Wahl passiert ist. Das ist meine ganz pers. Meinung.Das spielt aber keine Rolle im Verein, hier reden wir nicht so über Parteipolitik. Da sind wir neutral, solange wir neutral sein können.
Beim Winterrennen auf der Galloprennbahn in Weidenpesch hatten sei auch einen Stand. Wie sind die Leute mit ihnen umgegangen, war die Aktion sinnvoll und gab es Sprüche zu Trump??
Prüßmann: Wir hatten eine schöne Popcorn-Maschine aufgebaut und 2 Jungs haben uns geholfen. Es gab keine einzige Frage in politische r Richtung gestellt.Schultz: DA war ja auch nicht gewählt und wir alle haben ja geglaubt der wird eh nicht gewählt.Prüßmann: Das Interesse an Amerika generell hat bewogen.Ich bin mir sicher, dass der ein oder andere aus dem Partnerschaft verein in Indianapolis auch für Trump gestimmt hat, aber das spielt hier nicht die Rolle. Wie geht man miteinander um, dass spielt eine Rolle.Schultz: Wir halten Parteipolitik aus dem Verein raus, da jeder eine andere Meinung hat und auch haben soll, das ist Demokratie. Und wenn Trump mit lügen gewinnt, anderen aber lügen vorwirft dann ist es mit Amerika schlimm gekommen- das ist meine Meinung.
Interview von Tim Philipp Erdmann und Florian Schwarz