Es gibt so viele Fragen auf der Welt, auf die die Menschheit noch keine endgültige Antwort gefunden hat und vermutlich auch nie finden wird. Dennoch versuchen sich Menschen immer wieder am Lösen oder wahrscheinlich auch meist einfach nur am Erörtern der Fragen. Die Fragen der Philosophie kennen nämlich keine Antwort. Vermutlich gehen sogar die meisten Ansätze verloren, da nur die wenigsten festgehalten werden. Dies hat uns beide (Timo Selting und Florian Schwarz) im letzten Jahr veranlasst diesen Haufen an Fragen nicht nur zu diskutieren, sondern unsere Gedanken auch mal niederzuschreiben. Als Thema einigten wir uns auf dieses Gedankenexperiment – das Gehirn im Tank. Dies ist der erste Teil der Reihe „Philosophie diskutiert“. Neben dem folgenden Text gibt es natürlich noch die andere Perspektive auf das Gedankenexperiment. Dieser ist ganz am Ende verlinkt.
Stelle dir vor, du verbringst einen Abend alleine zuhause. Plötzlich verlierst du das Bewusstsein. In dem Moment, indem du das Bewusstsein verlierst, betreten Männer den Raum und nehmen dich mit. In ihrem Versteck entnehmen sie dir dein Gehirn und legen es in einen Tank, damit es überleben kann. Dann schließen sie dein Gehirn an einen Computer an. Über deine Nerven, die mit Kabeln an den Computer gebunden sind, kann der Computer dir jetzt Signale schicken, die dir eine falsche Realität vorgeben. Jetzt lautet die Frage, kannst du herausfinden, dass du dich in einer vom Computer erschaffenen Realität befindest?
Es geht also um die Frage: Was können wir wissen und wie können wir Wissen erhalten?
Aber zuerst einmal wollen wir klären, was diese Geschichte denn soll. Geschichten wie „Das Gehirn im Tank“, nennt man in der Philosophie Gedankenexperiment. Bei ihnen geht es darum, auf gewisse Probleme hinzuweisen und über diese nachzudenken und wie man sie lösen könnte.
Wir wollen damit beginnen, zuerst die Frage zu klären was Wissen ist, wir wollen also Wissen definieren. Dafür müssen wir uns mit der Epistemologie beschäftigen. Die Epistemologie ist eine Disziplin der Philosophie, die sich damit beschäftigt, was Wissen ist. Die Epistemologie kennt drei Formen des Wissensbegriff. Zum einen das „Überzeugungswissen“, welches Wissen ist das sich mit dem Fall beschäftigt. Man nennt es auch „faktisches Wissen“. Es handelt sich hier also um Fakten. Beispiele für „Überzeugungswissen“ ist der Fakt, das Helmut Kohl 16 Jahre lang Kanzler der Bundesrepublik Deutschland war oder der Fakt, dass die Erde sich um die Sonne dreht. Eine andere Form des Wissensbegriff ist das „Regelwissen“. „Regelwissen“ ist zu wissen wie etwas gemacht wird. Ein Beispiel dafür wäre zu wissen, wie man einen Kuchen backt. Die letzte Form des Wissensbegriff ist „Wissen als Kenntnis“, also die Kenntnis von Personen und anderen Einzeldingen. Beispiel dafür wären, dass Petra Hamburg wie ihre Westentasche kennt oder das Petra Franz aus alten Zeiten kennt. Alle drei Formen des Wissensbegriff müssen sich allerdings auf folgende Bedingungen einigen. Zum einen muss das Gewusste sprachlich durch einen Satz ausgedrückt werden können. Zum anderen muss das Gewusste lehrbar bzw. lernbar sein. Und zum letzten muss es Selektions- und Evaluationskriterien geben, um Wissen von Meinungen zu trennen.
Für uns wird jetzt aber vor allem das Überzeugungswissen wichtig, da wir, wenn wir wissen wollen, ob wir in einer falschen Realität leben, Faktenwissen brauchen. Die traditionelle Epistemologie beschäftigt sich mit dem Überzeugungswissen und hat stellt folgende Grundannahmen. Erstens, Wissen ist wahre Meinung, aber nicht jede wahre Meinung ist Wissen, da Meinungen kontingenterweise wahr sein könnten. Damit ist gemeint, dass wenn ein Kind seinem Vater nachspricht, dass Helmut Kohl 16 Jahre Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland war, das wahr ist aber nicht Wissen, da es seinem Vater nur nach spricht. Zweitens, Wissen ist wahre gestützte Meinung. Hierbei handelt es sich um die Allgemeine Wissensdefinition. Drittens, Wissen ist wahre gerechtfertigte Meinung. Hier handelt es sich um die traditionelle Wissensdefinition. Der Unterschied dieser beiden Definition ist, dass die allgemeine Wissensdefinition, Wissen als etwas ansieht, dass man durch Beweise wie ,dass man etwas selbst erlebt hat, stützen kann.
Bei der traditionellen Wissensdefinition ist Wissen, etwas was man begründen kann. Wir wissen also jetzt, dass Wissen wahre Meinung ist, die gestützt wird durch Beweise.
Bis hierhin ist alles noch einfach, aber wir kommen jetzt zur Frage wie wir Wissen erlangen können. Also wie können wir Sachen wissen. Mit dieser Frage beschäftigen sich die beiden Schulen des Empirismus und des Rationalismus.
Die Schule des Rationalismus ist davon überzeugt, dass Wissen durch den rationalen Verstand und die Vernunft erlangt wird. Ein wichtiger Vertreter dieser Schule ist René Descartes. Er wurde 1596 in Frankreich geboren. Als eifriger Student war Descartes enttäuscht von der fehlenden Zugverlässlichkeit des Wissens, dass von Autoritäten aufgestellt wurde und von „alten Gelehrten“ einfach übernommen wurde ohne es zu hinterfragen. Descartes wollte die wissenschaftliche Methodik radikal neu gestalten und die menschliche Erkenntnisfähigkeit auf die Probe stellen. Er fragte sich, ob man die Wissenschaften generell auf eine rein logische und rationale Basis stellen kann. Er begann alles in Frage zu stellen, an dem er nicht zumindest einen kleinen Zweifel hegen konnte. So konnte er durch das Instrument des Zweifelns schließlich den Zweifel selbst bezwingen, denn alles was die Zweifel überstand, konnte er als sicheres Wissen anerkennen. Von dieser Erkenntnis ausgehend hoffte er weitere Erkenntnisse zu erlangen. Von Descartes stammt auch das Zitat: „Cogito, ergo sum – Ich denke, also bin ich“
Neben dem Rationalismus gibt es die Schule des Empirismus. Bei dieser ist man überzeugt, dass Wissen über Sinneswahrnehmungen erlangt werden. Also über das Schmecken, das Sehen, das Hören, das Riechen und über das Fühlen. Ein wichtiger Vertreter dieser Schule war John Locke. Er wurde 1632 in England geboren. Im Gegensatz zu Descartes sah Locke den Schlüssel zum Erlangen von Wissen in den Sinnen, Beobachtungen und Experimenten ergaben. Für ihn war der Mensch eine „weiße Leinwand“, die durch Erfahrungen bemalt wird.
Das Problem des Empirismus mit Blick auf das Gedankenexperiment „Das Gehirn im Tank“ ist, dass alle Sinneswahrnehmungen, die wir machen können, vom Computer bestimmt werden, also welche Erfahrungen wir wahrnehmen, gibt uns der Computer vor, der die falsche Realität erschafft. Wir können also nicht durch neue Erfahrungen herausfinden, dass wir in einer falschen Realität leben. Welche Erfahrungen wir allerdings nutzen können, sind die Erfahrungen die wir schon gemacht haben in unserem vorherigen Leben. Auch hier ist das Problem, dass wir nur durch unsere Erfahrungen nicht sagen können, ob unsere neuen Erfahrungen falsche sind. Um Erfahrungen zu vergleichen, brauchen wir den Verstand , also rationales logisches Denken. Mit diesem sind wir in der Lage Erfahrungen zu ordnen und zu bewerten. Da wir nun über das Problem der Erfahrungen gesprochen haben, müssen wir über die Probleme des Verstandes reden. Denn auch dieser kann uns nicht (oder sagen wir es optimistischer: nicht wirklich) sagen, ob wir in einer falschen Realität leben bzw. dass wir nicht wir sind sondern nur noch ein Gehirn im Tank. Denn der Verstand braucht die Erfahrungen um sagen zu können, ob etwas logisch bzw. rational ist. Obwohl das nicht ganz stimmt. Um zu wissen ob etwas logisch ist, reicht auch die Bedeutung von Dingen zu kennen. Das heißt, die Bedeutung von Dingen wie dem Wort „Vogel“ zu kennen reicht aus um sagen zu können, dass der Kuckuck ein Vogel ist. Das heißt um herauszufinden, ob man in einer falschen Realität lebt, muss man nach Dingen schauen, die unlogisch sind, Dinge oder Sachen bei denen der Computer einen Fehler macht, die wie man sie aus seinen Erfahrungen kennt, nicht richtig wiedergegeben. Aber selbst wenn man diese „Fehler“ findet, gibt es das Problem, dass diese nicht vertrauenswürdig sind. Denn Erfahrungen sind subjektiv, da jede Person eine andere Perspektive während einer Erfahrung hat. Außerdem können sich Inhalte einer Erfahrung widerlegt oder verändert haben. Wir können also sagen das generell niemand herausfinden kann, ob man sich in einer falschen Realität befindet. Vom generellen Fall zum bestimmten Fall kommend, kann ich mir aber vorstellen, dass ein Intellektueller mit einer riesigen Menge an Erfahrungen, die er durch Jahrzehnte des Reisens oder anderer Aktivitäten erfahren hat und mit einem großen Sack aus Kenntnissen aus verschiedenen Wissenschaften und anderen Themen, möglicherweise in der Lage wäre durch die falsche Realität hindurchzublicken. Aber das größte Problem kann selbst nicht durch einen solchen Intellektuellen gelöst werden. Das Problem, dass der Computer wahrscheinlich keine Funktion besitzt, die den Computer deaktiviert, falls das Gehirn die „Fehler“ gefunden hat, die die falsche Realität bröckeln lassen. Es bleibt so am Ende, immer nur eine Vermutung oder Meinung, die aber nicht mit Wissen gleichzusetzen ist.
Am Ende muss ich allerdings sagen, dass das Gedankenexperiment „Gehirn im Tank“ zu ungenau ist, was die Beschreibung der Situation angeht. Der Computer wird nur Computer genannt oder Supercomputer, aber es wird nicht im Detail genannt was der Computer kann, also welche Funktionen und Möglichkeiten er besitzt um eine falsche Realität zu erschaffen und wie diese Möglichkeiten und Funktionen genau funktionieren bzw. arbeiten. Auch das Ziel des Computers das Gehirn bzw. der Mensch dessen Gehirn im Tank liegt wird nicht erklärt oder beschrieben. Es liegt keine Biographie vor oder eine Liste mit Themen etc. mit denen der Mensch sich davor beschäftigt hat. Somit können wir nur Vermutungen anstellen, ob der Mensch es aus der falschen Realität herausschafft oder nicht und ob der Computer überhaupt eine gute Illusion erschaffe kann.
Um zu einer Zusammenfassung zu kommen. Es scheint unmöglich zu sein die wahre Realität zu finden, aber ich verweigere mich durch fehlende Details und Informationen einer absoluten Verneinung der Möglichkeit, dass das Gehirn es aus der falschen Realität herausschaffen kann.
Autor: Timo Selting (Q2)