Es gibt so viele Fragen auf der Welt, auf die die Menschheit noch keine endgültige Antwort gefunden hat und vermutlich auch nie finden wird. Dennoch versuchen sich Menschen immer wieder am Lösen oder wahrscheinlich auch meist einfach nur am Erörtern der Fragen. Die Fragen der Philosophie kennen nämlich keine Antwort. Vermutlich gehen sogar die meisten Ansätze verloren, da nur die wenigsten festgehalten werden. Dies hat uns beide (Timo Selting und Florian Schwarz) im letzten Jahr veranlasst diesen Haufen an Fragen nicht nur zu diskutieren, sondern unsere Gedanken auch mal niederzuschreiben. Als Thema einigten wir uns auf dieses Gedankenexperiment – das Gehirn im Tank. Dies ist der erste Teil der Reihe „Philosophie diskutiert“. Neben dem folgenden Text gibt es natürlich noch die andere Perspektive auf das Gedankenexperiment. Dieser ist ganz am Ende verlinkt.
Können wir wissen, ob wir in der Realität sind oder wir doch nur ein Gehirn im Tank sind?
Beim „Gehirn im Tank“ handelt es sich um ein Gedankenexperiment. Es thematisiert die Frage nach der Realität und unserer Wahrnehmung. Die Frage hierbei ist: Können wir unterscheiden, ob wir tatsächlich die Realität wahrnehmen oder könnte uns eine Maschine, wie z.B. ein sehr leichtungsstarker Computer, eine Realität vorgaukeln?. Kann unser Gehirn zwischen Realität und Simulation unterscheiden?
Betrachten wir zunächst einmal die Situation so, als dass das Gehirn die gesamte Information über den Ablauf dessen was Realität ist für den Menschen, also die Erfahrung, noch besitzt. Er müsste also unterscheiden können, ob alles wie immer passiert oder anders. Aus genau diesem Grund müsste der Computer eine extrem komplexe Inputstruktur (alle Sinne plus Körpereigene Signale) erzeugen. Gleichzeitig müssen aber auch Fehler mit erzeugt werden in der Wahrnehmung, wie sie auch in der Realität auftreten, zum Beispiel nach zu langem Schauen in ein Licht. Denn auch unsere Wahrnehmung erweist sich als nicht perfekt und kann eingeschränkt werden. Nehmen wir nun an, dass der Computer all dies könne, ist die Frage zu stellen, wie unser Gehirn die Realität verarbeitet.
Am Beispiel des Sehsinnes soll dies verdeutlicht werden. Trifft ein Photon (also Licht) auf unser Auge, löst die Photonen-Energie bei einer photochemischen Reaktion im Auge einen elektrischen Impuls, welchen unser Gehirn wahrnimmt und verarbeitet über die Neuronen. Da die Realität eben das Vorhandensein der Photonen ist, muss eine simulierte Realität am Senden des elektrischen Impulses einsetzen, da hier auch das Gehirn einsetzt und nicht mehr das Auge, welches nur der Wahrnehmung der angenommenen Realität dient. Der Computer müsste denselben Impuls starten wie das Photon, dann könnte das Gehirn die Ursache für den elektrischen Impuls nicht mehr unterscheiden, da es nur dessen Intensität, Frequenz etc., also dessen physikalische Größen, wahrnimmt und nicht dessen Ursprung, soweit diese nicht an der Fehlerhaftigkeit der Information zu erkennen ist. So kann der Mensch zwar auch eine virtuelle 3D-Welt bei einem Virtual-Reality-Spiel von der Wirklichkeit unterscheiden, doch werden diese Photonen natürlich auch real erzeugt. Wenn das Virtual-Reality-Spiel nun aber so präzise programmiert wäre wie die Realität, könnte unser Gehirn nicht den Unterschied erkennen, was simuliert und was echt ist. Doch davon ist unsere heutige Technik noch weit entfernt. Es besteht allerdings die Gefahr, dass es noch etwas Unerforschtes im Gehirn gibt, da dieses in extremsten Form als Komplex zu bezeichnen ist und damit ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass der Computer einen Punkt nicht kennt und dieser immer anders ist als in der Erfahrung und damit die Simulation zu erkennen gibt. Außerdem ist das Gehirn nicht nur als statischer, denkender Teil des Körpers zu verstehen, er nimmt auch als mechanischer an der Bewegung teil und gibt somit auch Information über sich selbst an sich selbst weiter, z. B. wenn es sich bewegt. Eine solche Situation würde zum Beispiel beim Gehen oder beim im Kreis drehen von Bedeutung sein. Denn wer kennt es nicht: das Schwindelgefühl nach einer zu schnellen Drehung. Auch dies müsste simuliert werden und ein Computer kann wohl kaum alle Synapsen kontrollieren, da jede einzelne im Gehirn individuell davon betroffen wäre. Würde er dies tun, würde das Gehirn als solches nicht mehr existieren. Eine Möglichkeit wäre natürlich das Gehirn mit dem Tank zu bewegen, doch dann würde es ja tatsächlich bewegt werden und die Simulation wäre hinsichtlich des Aspektes beendet und die Bewegung wäre real.
Ebenfalls muss der Computer auch sich an die Outputs des Gehirn anpassen, wenn das Gehirn aufgrund anderer nicht simulierte Ereignisse, etwas anderes als erwartet tut. Der Computer müsste hiermit die gesamte Körperfunktion übernehmen, also auch die Kontrolle der Blutzufuhr. Vergleichbar ist die Situation wie die mit transplantiertrn Organen oder künstliche Körperteile. Das Gehirn würde somit in einen realen Körper leben, da die Inputs dieselben sind, aber wohl an Kleinigkeiten (Fehlern) die Künstlichkeit erkennen, wie bei künstlichen Hüften. Wenn man das Gehirn isoliert und wie ein menschliches Gehirn exakt behandelt, nur durch einen ausgetauschten technischen hochentwickelten Körper, ist der Unterschied nicht erkennbar bei einer perfekten Umsetzung, die aber das volle neurophysiologische Wissen benötigen würde, welches wir nie erlangen können, da ein statisches Wissenssystem nicht möglich ist, da wir in der Gegenwart leben und die Zukunft nicht kennen. Es besteht immer die Annahme, dass der heutige Stand der Wissenschaft falsifiziert werden könnte.
Gleichzeitig können wir im Hier und Jetzt nur annehmen, dass das, was wir sehen, die Realität ist, da unsere Wahrnehmung beschränkt ist. Und den Vergleich einer Simulation oder der Realität gar nicht kennen. Es ist aber auch irrelevant, da wir eh keinen Ausweg kennen würden und nicht fliehen könnten, da wir in der Simualtion gefangen wären, wodurch wir dieses Hier als Realität betrachten müssen, da wir mit diesem leben. Es ist für uns die Realität und auch die einzig bekannte. Da es aber scheinbar ganz gut funktioniert und wenige extreme Störungen auftreten und die Komplexität so erdrückend ist, scheint dass die Realität zu sein. Aber auch eine Maus in einem Forschungslabor würde dieses vermutlich als Realität eines Mäuseleben betrachten, soweit sie nichts anderes kennt, wenn sie dort geboren wurde. Allerdings neigt der Mensch im Gegensatz zur Maus dazu, seine Realität immer weiter auszubreiten, wenn er nach neuem Wissen und Erfahrungen strebt, was gegen eine Simulation spricht, welche irgendwann die Grenze erreichen müsste, die die technische Fähigkeit des Simulationsstarter darstellt. Auszuschließen ist dies aber dennoch nicht, denn theoretische könnten wir auch einfach nur einen kleinen Teil der möglichen Simulation entdeckt haben.
Was eine Simulation als Option so interessant scheinen lässt, ist die perfekte Abstimmung der Natur auf unser Leben: die perfekte Entfernung Erde-Sonne, die Sterne als Produzent der chemischen Elemente, die Stärke der physikalischen Kräfte, die Moleküle erlauben und Planeten…. All dies scheint so unglaublich, dass eine Simulation eine simple Erklärung wäre. Wenn wir ein Experiment einer so weit entwickelten Zivilisation oder gar einer Art Gott wären, dann wäre es logisch, dass alles perfektioniert ist. Doch vielleicht und das halte ich für wahrscheinlicher, hatten wir nur zufällig das unglaubliche Glück, dass das Universum es gut mit uns gemeint hat, wobei es wahrscheinlich selbst nicht mal darüber nachgedacht hat.
Autor: Florian Schwarz (Q2)