Vor kurzem hatte unsere GBG-Schülerreporterin Merle die tolle Gelegenheit, das Tierheim Köln Zollstock zu besuchen und eine Tierpflegerin zu interviewen. Dabei hat sie viel über die Arbeit im Tierheim erfahren. Merle war beeindruckt von der Arbeit und den vielen Tieren, die auf ein neues Zuhause warten. Es steckt nämlich sehr viel Engagement und Herzblut in der Arbeit im Tierheim.
Welchen Schulabschluss braucht man eigentlich, um Tierpfleger im Tierheim zu werden?
Man kann mit einem Hauptschul- oder Realschulabschluss oder auch mit Abitur Tierpfleger werden.
Könnte ich als Elfjährige hier im Tierheim ehrenamtlich arbeiten?
Jein. Du kannst zum Katzenkuscheln kommen oder wenn du eine Patenschaft eines netten und verkuschelten Kaninchen übernimmst. Aber so richtig ehrenamtlich arbeiten kannst du hier nicht.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag eines Mitarbeiters im Tierheim aus?
Wir kommen um neun Uhr morgens und fangen dann an mit unseren Arbeiten. Bei uns ist alles in drei Bereiche unterteilt, nämlich in Hunde, Katzen und Kleintiere. Zuerst gehen wir in die Käfige, Zwinger, Gehege und machen die Tiere sauber, wechseln Wasser, füttern – je nach dem. Die Hunde werden von der Frühschicht gefüttert. Dann kommt noch der Tierarzt. Nachmittags erledigen wir dann noch die Standardaufgaben wie Futter für die Hunde am Abend vorbereiten, Wäsche waschen, Näpfe spülen – also die ganzen lästigen Arbeiten. Wir räumen aber auch Spenden weg, reden mit Besuchern, führen Telefonate, harken Blätter – alles, was halt so anfällt. Abends werden die Hunde gefüttert. Um 17:30 sind wir meistens mit allem fertig.
Ist die Arbeit als Tierpfleger anstrengend?
Man muss sich auf jeden Fall daran gewöhnen, das ist etwas anderes als ein Bürojob. Ich glaube, alle hier können ganz schön Kilometer laufen, man hat hier große und schwere Hunde an der Leine, muss viel Tragen. Und an manchen Tagen ist es auch psychisch anstrengend. Hier gibt es nämlich auch Tiere, die ein trauriges Schicksal erlitten haben.
Welche Fähigkeiten sollte ein Tierpfleger unbedingt haben?
Man muss auf jeden Fall gut mit Tieren und Menschen können.

Wie viele Tiere sind in eurem Tierheim eigentlich untergebracht?
Wir sagen immer grob, wir haben um die 300 Tiere. Das schwankt immer ein bisschen, das ist mal mehr, mal ein bisschen weniger.
Und wie viele Mitarbeiter habt ihr?
Das sind grob 30, ganz genau weiß ich das tatsächlich auch nicht. Davon sind auch 6 Azubis. Dann haben wir einige Wochenendaushilfen und Feiertagsaushilfen und Teilzeitkräfte. Und dann natürlich auch die ganzen Kollegen, die im Büro sitzen, die quasi nicht hier draußen herumlaufen, sondern die hinter den Kulissen dann viel machen.
Und wie finanziert ihr euer Futter für die Tiere?
Über Spenden, wir finanzieren hier alles über Spenden.
Wie sieht die Zukunft des Tierheims aus? Gibt es zum Beispiel Pläne für zukünftige Erweiterungen oder Verbesserungen?
Tatsächlich werden hier gerade einige Sachen neu gebaut, so nach und nach, beziehungsweise auch saniert, es soll auch noch ein neues Gebäude hinzukommen.
Was ist zurzeit euer größtes und was euer kleinstes Tier?
Ich glaube, unser größtes ist ein Hund, ein Fila Brasileiro. Und das kleinste, also wir hatten mal vor gar nicht allzu langer Zeit eine Babyschildkröte. Die war ultrasüß. Die haben wir Kohlrabi genannt und ist kleiner als meine Handfläche. Aber Kohlrabi lebt gar nicht mehr hier.
Und habt ihr auch gefährliche Tiere?
Gefährlich im Sinne von giftig nicht, also wenn du an irgendwelche Giftschlangen oder so gedacht hast, das nicht. Das dürfen wir auch gar nicht, weil man dafür nochmal extra Richtlinien erfüllen muss, zum Beispiel hundertprozentig ausbruchssichere Räume mit Stahltüren und so was in die Richtung. Das heißt, Gifttiere dürfen wir hier gar nicht aufnehmen. Es gibt schon ein paar Hunde, die nicht so nett sind. Es gibt auch ein paar Katzen, die dir um die Ohren fliegen, wenn du Pech hast. Also ja, kommt so ein bisschen auf den Charakter mancher Tiere an, wie nett oder wie nicht nett oder vor allem gefährlich sie sind.

Welche Tiere sind besonders schwer zu bändigen und welche leichter? Gibt es irgendwelche Herausforderungen bei der Pflege oder der Betreuung?
Von der Pflege her sind die meisten Tiere gleich aufwändig, würde ich sagen. Das kommt auch darauf an, wie intensiv du zum Beispiel sauber machst oder so. An den Tagen, an denen wir grundreinigen, also alles einmal raus muss, das ist schon sehr nervig. Da ist vor allem das Kleintierstreu einfach ätzend, das überall herauszupopeln. Oder in den Hundezwingen musst du dann halt auch durch die Hütten komplett überall durchwischen und überall ausspritzen und so weiter. Ja, ansonsten sind kranke Tiere sehr pflegeintensiv natürlich, also die, die schwach und krank sind und daher hunderttausend Medikamente bekommen oder zugefüttert werden müssen, wie hier irgendein Kaninchen. Das muss alle paar Stunden gemacht werden. Das ist dann halt auch anstrengend. Oder Babykatzen, die zugefüttert werden müssen. Das kostet viel Zeit und ist viel Aufwand.
Welches Tier machst du persönlich am liebsten?
Also ich habe zwei Lieblingshunde hier. Das sind eigentlich beide nicht so nette Hunde, aber bei mir haben sie schon Vertrauen aufgebaut.
Werden die Tiere hier eigentlich kastriert?
Nicht unbedingt. Ich glaube, die meisten Kater kastrieren mir, damit wir die hier auch draußen in die Außengehege setzen können, zu den anderen Katern und Katzen. Und für Freigänger gilt ja hier in Köln sowieso eine Kastrationspflicht. Und bei den Kaninchen, wenn die zusammen mit anderen Weibchen sitzen sollen, damit wir nicht 100.000 Kaninchen haben. Aber die Hunde kastrieren wir nicht – nur manchmal, aber nicht grundsätzlich.
Wie werden die Tiere beschäftigt?
Ja, das kommt ein bisschen auf die Tierart an. Wir haben zum Beispiel für unsere Katzen Katzenkrauler, die nachmittags immer kommen und die dann mit denen spielen, denen was vorsingen und die bequatschen. Das sind meistens Erwachsene. Kinder dürften, glaube ich, in der Begleitung eines Erwachsenen mitkommen, aber eigentlich sind es Erwachsene, die sich dann hier nachmittags in die Gehege setzen und dann die Katzen durchknuddeln. Das ist witzig. Und für uns sehr praktisch, weil wir leider eigentlich fast keine Zeit haben, um uns richtig intensiv mit den Tieren zu beschäftigen. Deswegen sind wir da auf Ehrenamtler auch angewiesen. Genauso wie unsere Gassigänger, die mit den Hunden Gassi gehen. Wir schaffen das vielleicht mal 10 Minuten hier ums Tierheim zu laufen mit einem Hund. Das ist nicht lange und auch gar nicht viel und gar nicht gut. Die Ehrenamtler gehen dann mal mit dem Hund in den Park da drüben und gehen eine längere Runde.
Wenn ich mir jetzt hier ein Tier kaufen möchte, wie läuft das ab und wo muss ich mich melden?
Zunächst wird ein Vermittlungsgespräch geführt. Da stellen wir dann sicher, für was für ein Tier du dich interessierst, ob das überhaupt zu dir passt von der Tierart her und vom Charakter des Tieres her. Dann klären wir ab, wie du das Tier hältst. Also die Haltung bei Kaninchen zum Beispiel, ob der Käfig oder der Auslauf groß genug ist und ob da zum Beispiel auch noch Partnertiere vorhanden sind oder nicht. Oder was auch immer die Tiere für Rahmenbedingungen brauchen. Und wie du Zeit hast natürlich. Wenn das so weit vom Gespräch passt, dann kannst du das Tier mal kennenlernen. Mit dem Hund gehen wir dann eine Runde spazieren und die Kleintiere oder die Katzen, die lernst du dann im Gehege beziehungsweise hier in den Käfigen kennen. Wenn das dann alles so vonstatten gegangen ist und du das Tier gut kennst und du ein gutes Gefühl hast und wir ein gutes Gefühl haben, dann kannst du das Tier zur Probe mit nach Hause nehmen. Und dann gucken wir, ob es da weiter gut läuft. Und wenn das gut läuft, dann nimmst du es irgendwann fest.
Wie werden die Tiere auf ihr neues Zuhause vorbereitet?
Das kann man ja eigentlich nur so richtig bei Hunden irgendwie sagen oder machen. Wir schauen, dass wir mit den Hunden so trainieren, dass wir herausfinden, wo die Schwachstellen sind. Und daran arbeiten wir hier oder versuchen es zumindest, wenn die Zeit es zulässt, dass wir mit den Tieren trainieren. Zum Beispiel hatten wir bei einem Schwein mal ein Verladetraining.

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um ein Tier bei euch zu bekommen?
Also, du musst volljährig sein. Und dann müssen natürlich die tierspezifischen Voraussetzungen erfüllt sein. Also, wie gesagt, Kaninchen zum Beispiel brauchen einen genügend großen Auslauf oder Schildkröten ein geräumiges Terrarium beziehungsweise einen Garten. Bei Hunden brauchen wir noch eine Vermieterbescheinigung, dass du den Hund in deiner Wohnung halten darfst. Oder ein Eigentumsnachweis, wenn das deine Wohnung ist. Zudem musst du für die meisten Hunde einen Sachkundenachweis vorlegen. Und natürlich eine Haftpflichtversicherung. Also so komischer Papierkram halt.
Wenn du jetzt zum Abschluss unsers Gesprächs einen Appell an die Leser unserer Schülerzeitung richten könntest, was würdest du dir wünschen? Oder hast du einen persönlichen Wunsch für die Zukunft deines Tierheims?
Ja, auf jeden Fall, dass sich Leute schon früh über ihre Tiere oder die Tierart, die sie gerne aufnehmen möchten, informieren. Ich glaube, damit ist schon echt vielen Tieren einfach geholfen, wenn man sich vorher Gedanken macht und nicht einfach aus Impuls oder weil das Tier so süß ist, sich so ein Tier anschafft. Und, wenn man sich für eine Tierart entschieden hat, erst im Tierschutz schaut und danach erst in irgendwelchen Zoohandlungen oder Zoogeschäften oder bei seriösen Züchtern. Auf keinen Fall etwas Unseriöses, das tut den Tieren nicht gut.
Vielen Dank, dass ich dich hier besuchen durfte!